|
Als Bremerhaven im Jahre 1827 gegründet wurde, gab
es für die Bürger des neuen Hafenortes noch keinen eigenen Friedhof.
Sie wurden auf dem gerade neu angelegten Leher Friedhof I bestattet. Auf
Bremerhavener Gebiet, dem heutigen Stadtteil Mitte, ließen die
Bodenverhältnisse die Anlage eines Friedhofes nicht zu. Jahrelang
suchte man nach einem geeigneten Gelände. 1870 wurde man mit den
Wulsdorfern über das Gelände auf dem Langenacker an der Weserstraße
handelseinig. Die Einwohnerzahl war inzwischen auf über 10.000
angestiegen. Das knapp fünfeinhalb Hektar große Grundstück lag in
einem dünn besiedeltem Acker- und Wiesenland zwischen Geestendorf und
Wulsdorf. Im Laufe von hundert Jahren vergrößerte sich der Friedhof
Wulsdorf auf 93.660 m².
Für die Planung der Friedhofsanlage gewann man den
Gartenbauinspektor Friedrich Benque, der 1867 den Bürgerpark in Bremen
gestaltet hatte. Benque entwarf eine parkartige Anlage mit geschwungenen
Wegen, Baumgruppen und Büschen. Diese Gestaltung machte den Friedhof zu
einer friedlichen Stätte der Besinnung und Einkehr für die Lebenden.
Während der ersten Beisetzung am 5. Mai 1871 betonte Pastor Wolf dieses
mit den Worten: " Der Friedhof werde den Lebenden zur Erinnerung,
zur Friedensmahnung geweiht."
1887 wurde
eine Kapelle (Bild) nach den Plänen des Bremerhavener Stadtbaumeisters
Louis Löschner erbaut. Am 30. Mai 1888 wurde die Kapelle eröffnet.
1930 wurde
die Kapelle um ein Krematorium erweitert. Das Krematorium, ursprünglich als
Provisorium gedacht, wurde bis 1990
betrieben und danach von der moderneren Anlage auf dem Friedhof Spadener
Höhe abgelöst.
Bei einem Gang über den Friedhof wird die Bremerhavener
Geschichte lebendig. Viele Grabmale aus dem vorigen
Jahrhundert prägen das Bild. Maritime Zeichen und Symbole
zeugen vom Leben einer Hafenstadt. Ein Denkmal erinnert an die
81 Opfer der " Thomas-Katastrophe" vom Dezember 1875. Man
findet einen Gedenkobelisken zu Ehren der Soldaten, die bei der
China-Expedition gegen die Boxeraufstände 1902 umgekommen sind. Bemerkenswert
ist das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Form einer
Klinkerpyramide. Eine schlichte Gedenkstätte unter Eichen gilt
den Opfern der Bombennacht vom 18. September 1944, den hier verstorbenen
Fremdarbeitern und den Opfern der Konzentrationslager.
Thomas-Katastrophe
Am 11. Dezember 1875 löste der Versicherungsbetrüger William King
Thomas ein Massenunglück aus, das als Thomas-Katastrophe in die internationale
Kriminalgeschichte einging.
Die Passagiere waren schon an Bord der
"Mosel" im neuen Hafen (etwa im Bereich des heutigen Zoo am Meer), als Kapitän Leist das Kommando zum Heraufwinden
eines 13 Zentner schweren Fasses gab. Beim herumschwenken löste sich
eine Kette, das Fass stürzte zu Boden und löste ein Inferno aus.
Durch die Explosion entstand ein 4 Meter tiefer Krater. Es gab 81 tote und
noch mehr Schwerverletzte.
Thomas bekam Panik als Attentäter
entlarvt zu werden und richtete einen Revolver gegen sich selbst, worauf
er drei Tage später starb.
William King Thomas, sein richtiger Name
war Alexander Keith, starb am 16. Dezember 1875. Sein Rumpf wurde auf dem
Wulsdorfer Friedhof in einem besonderen, von den übrigen Gräbern
abgesonderten Platze begraben, so heißt es in einer Notiz (man sagt
auch im Haupteingang unter dem Pflaster). Sein Kopf wurde abgeschnitten,
konserviert und später versehentlich "entsorgt". |
    |
|
Pyramide Erinnert an die rund 700 Bremerhavener Soldaten die im ersten Weltkrieg (1914 - 1918) fielen. Die 81 um die Pyramide liegenden Sandsteinplatten erinnern
an Soldaten, die in Bremerhavener Lazaretten starben. |
   |
|
Eichenhain Am 18. September 1944 wurde Bremerhaven von 211
britischen Bombern in nur 20 Minuten nahezu völlig zerstört. 420 000
Stabbrandbomben verwandelten die Innenstadt des damaligen Wesermünde in
ein Flammenmeer. 618 Menschen starben. 1193 wurden verletzt. 30 000
Menschen wurden obdachlos. Die Bombardierung war eine Rache für die
Angriffe der Nationalsozialisten im Herbst 1940 gegen England. Es war die
Endphase des Zweiten Weltkriegs und hatte keinen militärischen Sinn mehr.
Die Wesermünder Zivilbevölkerung mußte darunter leiden. |
    |
| Ehrenbürger Johann Hinrich
Schmalfeldt Johann Hinrich Schmalfeldt wurde am 28.
November 1850 geboren. Er lernte den Beruf des Zigarrenmachers, machte
seinen Meister und arbeitete in einer Zigarrenfabrik in Stade. 1890 war
Schmalfeldt in Geestemünde direkter Wahlkreiskonkurrent von Otto von
Bismarck, verlor aber die Wahl. 1892 siedelte Schmalfeldt nach
Bremerhaven über. Hier verdiente er sein Geld als Tabakhändler und
Wirt. 1895 wurde Schmalfeldt in die Stadtverordnetenversammlung gewählt.
1903 bis 1907 war er Abgeordneter des Deutschen Reichstages. Schmalfeldt
setzte sich stark für Bremerhaven ein. Er setzte sich für eine
gerechtere Steuerverteilung, die Erhöhung des Schulgeldes und die
Armenpflege ein. 1930 zog er sich aus dem politischen Leben zurück. Er
bekam die Ehrenbürgerschaft verliehen, die Ihm 1936 vom Nazi-Oberbürgermeister
Lorenzen wieder aberkannt wurde.1937 starb er. 1949 rehabilitierte Ihn
die Stadtverordnetenversammlung und sprach Ihm die Ehrenbürgerschaft
wieder zu. |
| |
| China-Expedition Anfang des zwanzigsten Jahrhundert
kehrten die Soldaten der China-Expedition,
die im Boxeraufstand eingesetzt wurden, zurück. Den nach der Rückkehr
in der Heimat verstorbenen Soldaten wurde ein Denkmal gesetzt. Von dem baufälligen
Denkmal steht heute nur noch ein schwarzer Obelisk. |
 |
| Ahlers - Mausoleum |
 |
| Schwesterngräber |
 |
| Grabstätte der
Familie Rickmers |
 |
 |
Waldemar Becke´ wurde am 15. Dezember 1878 geboren. Nach
einem Jurastudium begann 1908 eine steile Karriere als Ratsassessor, 1909
zum Stadtsyndikus, 1911 zum Stadtrat, 1912 zum bremischen Amtmann, 1913
zum Stadtdirektor (Oberbürgermeister). Becke´ angagierte sich für eine
Partnerschaft zwischen Bremerhaven und Bremen, die Hochseefischerei, die
erste Stadthalle an der Geeste, die Tiergrotten, das Schullandheim
Barkhausen, den sozialen Wohnungsbau und das Stadttheater. 1912 heiratete
er Gertrud Brüel, die Urenkelin des Hafenbaudirektors Johannes Jacobus
van Ronzelen. Die Nazis nahmen Becke´ sein Amt und vertrieben Ihn aus
Bremerhaven. Nach Kriegsende kehrte er schwer krank nach Bremerhaven
zurück. In Bremerhaven bemühte man sich das Unrecht wieder gut zu machen
und Ihn wieder als Oberbürgermeister einzusetzen, doch die schwere
Krankheit verhinderte dies. Am 16. Mai 1947 starb Waldemar Becke´. |
| Siebs
|
 |
|