28.03.2009  
Friedhof Wulsdorf

früher auch Bremerhavener Friedhof in Wulsdorf

Als Bremerhaven im Jahre 1827 gegründet wurde, gab es für die Bürger des neuen Hafenortes noch keinen eigenen Friedhof. Sie wurden auf dem gerade neu angelegten Leher Friedhof I bestattet. Auf Bremerhavener Gebiet, dem heutigen Stadtteil Mitte, ließen die Bodenverhältnisse die Anlage eines Friedhofes nicht zu. Jahrelang suchte man nach einem geeigneten Gelände. 1870 wurde man mit den Wulsdorfern über das Gelände auf dem Langenacker an der Weserstraße handelseinig. Die Einwohnerzahl war inzwischen auf über 10.000 angestiegen. Das knapp fünfeinhalb Hektar große Grundstück lag in einem dünn besiedeltem Acker- und Wiesenland zwischen Geestendorf und Wulsdorf. Im Laufe von hundert Jahren vergrößerte sich der Friedhof Wulsdorf auf 93.660 m². 

Für die Planung der Friedhofsanlage gewann man den Gartenbauinspektor Friedrich Benque, der 1867 den Bürgerpark in Bremen gestaltet hatte. Benque entwarf eine parkartige Anlage mit geschwungenen Wegen, Baumgruppen und Büschen. Diese Gestaltung machte den Friedhof zu einer friedlichen Stätte der Besinnung und Einkehr für die Lebenden. Während der ersten Beisetzung am 5. Mai 1871 betonte Pastor Wolf dieses mit den Worten: " Der Friedhof werde den Lebenden zur Erinnerung, zur Friedensmahnung geweiht."

1887 wurde eine Kapelle (Bild) nach den Plänen des Bremerhavener Stadtbaumeisters Louis Löschner erbaut. Am 30. Mai 1888 wurde die Kapelle eröffnet. 1930 wurde die Kapelle um ein Krematorium erweitert. Das Krematorium, ursprünglich als Provisorium gedacht, wurde bis 1990 betrieben und danach von der moderneren Anlage auf dem Friedhof Spadener Höhe abgelöst.

Welche Gräber gibt es ?        

Bei einem Gang über den Friedhof wird die Bremerhavener Geschichte lebendig. Viele Grabmale aus dem vorigen Jahrhundert prägen das Bild. Maritime Zeichen und Symbole zeugen vom Leben einer Hafenstadt.

Ein Denkmal erinnert an die 81 Opfer der " Thomas-Katastrophe" vom Dezember 1875.

Man findet einen Gedenkobelisken zu Ehren der Soldaten, die bei der China-Expedition gegen die Boxeraufstände 1902 umgekommen sind.

Bemerkenswert ist das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Form einer Klinkerpyramide.

Eine schlichte Gedenkstätte unter Eichen gilt den Opfern der Bombennacht vom 18. September 1944, den hier verstorbenen Fremdarbeitern und den Opfern der Konzentrationslager.

 
Thomas-Katastrophe  Am 11. Dezember 1875 löste der Versicherungsbetrüger William King Thomas ein Massenunglück aus, das als Thomas-Katastrophe in die internationale Kriminalgeschichte einging.
Die Passagiere waren schon an Bord der "Mosel" im neuen Hafen (etwa im Bereich des heutigen Zoo am Meer), als Kapitän Leist das Kommando zum Heraufwinden eines 13 Zentner schweren Fasses gab. Beim herumschwenken löste sich eine Kette, das Fass stürzte zu Boden und löste ein Inferno aus. Durch die Explosion entstand ein 4 Meter tiefer Krater. Es gab 81 tote und noch mehr Schwerverletzte.
Thomas bekam Panik als Attentäter entlarvt zu werden und richtete einen Revolver gegen sich selbst, worauf er drei Tage später starb.
William King Thomas, sein richtiger Name war Alexander Keith, starb am 16. Dezember 1875. Sein Rumpf wurde auf dem Wulsdorfer Friedhof in einem besonderen, von den übrigen Gräbern abgesonderten Platze begraben, so heißt es in einer Notiz (man sagt auch im Haupteingang unter dem Pflaster). Sein Kopf wurde abgeschnitten, konserviert und später versehentlich "entsorgt".

 

Pyramide  Erinnert an die rund 700 Bremerhavener Soldaten die im ersten Weltkrieg (1914 - 1918) fielen. Die 81 um die Pyramide liegenden Sandsteinplatten erinnern an Soldaten, die in Bremerhavener Lazaretten starben.

 

Eichenhain  Am 18. September 1944 wurde Bremerhaven von 211 britischen Bombern in nur 20 Minuten nahezu völlig zerstört. 420 000 Stabbrandbomben verwandelten die Innenstadt des damaligen Wesermünde in ein Flammenmeer. 618 Menschen starben. 1193 wurden verletzt. 30 000 Menschen wurden obdachlos. Die Bombardierung war eine Rache für die Angriffe der Nationalsozialisten im Herbst 1940 gegen England. Es war die Endphase des Zweiten Weltkriegs und hatte keinen militärischen Sinn mehr. Die Wesermünder Zivilbevölkerung mußte darunter leiden.

 

Ehrenbürger Johann Hinrich Schmalfeldt  Johann Hinrich Schmalfeldt wurde am 28. November 1850 geboren. Er lernte den Beruf des Zigarrenmachers, machte seinen Meister und arbeitete in einer Zigarrenfabrik in Stade. 1890 war Schmalfeldt in Geestemünde direkter Wahlkreiskonkurrent von Otto von Bismarck, verlor aber die Wahl. 1892 siedelte Schmalfeldt nach Bremerhaven über. Hier verdiente er sein Geld als Tabakhändler und Wirt. 1895 wurde Schmalfeldt in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. 1903 bis 1907 war er Abgeordneter des Deutschen Reichstages. Schmalfeldt setzte sich stark für Bremerhaven ein. Er setzte sich für eine gerechtere Steuerverteilung, die Erhöhung des Schulgeldes und die Armenpflege ein. 1930 zog er sich aus dem politischen Leben zurück. Er bekam die Ehrenbürgerschaft verliehen, die Ihm 1936 vom Nazi-Oberbürgermeister Lorenzen wieder aberkannt wurde.1937 starb er. 1949 rehabilitierte Ihn die Stadtverordnetenversammlung und sprach Ihm die Ehrenbürgerschaft wieder zu.
 

 

China-Expedition  Anfang des zwanzigsten Jahrhundert kehrten die Soldaten der China-Expedition, die im Boxeraufstand eingesetzt wurden, zurück. Den nach der Rückkehr in der Heimat verstorbenen Soldaten wurde ein Denkmal gesetzt. Von dem baufälligen Denkmal steht heute nur noch ein schwarzer Obelisk.

 

Ahlers - Mausoleum

 

Schwesterngräber

 

Grabstätte der Familie Rickmers

 

Waldemar Becke´ wurde am 15. Dezember 1878 geboren. Nach einem Jurastudium begann 1908 eine steile Karriere als Ratsassessor, 1909 zum Stadtsyndikus, 1911 zum Stadtrat, 1912 zum bremischen Amtmann, 1913 zum Stadtdirektor (Oberbürgermeister). Becke´ angagierte sich für eine Partnerschaft zwischen Bremerhaven und Bremen, die Hochseefischerei, die erste Stadthalle an der Geeste, die Tiergrotten, das Schullandheim Barkhausen, den sozialen Wohnungsbau und das Stadttheater. 1912 heiratete er Gertrud Brüel, die Urenkelin des Hafenbaudirektors Johannes Jacobus van Ronzelen. Die Nazis nahmen Becke´ sein Amt und vertrieben Ihn aus Bremerhaven. Nach Kriegsende kehrte er schwer krank nach Bremerhaven zurück. In Bremerhaven bemühte man sich das Unrecht wieder gut zu machen und Ihn wieder als Oberbürgermeister einzusetzen, doch die schwere Krankheit verhinderte dies. Am 16. Mai 1947 starb Waldemar Becke´.

 

Siebs